News Stephanie Hollenstein wird im Belvedere ausgestellt

Stadt der Frauen Doku-76

Sechs Werke aus der Sammlung von Stephanie Hollenstein sind Teil der aktuellen Ausstellung „Stadt der Frauen“ im Museum Belvedere in Wien. Sie zeigt Werke von Frauen, die in der Zeit von 1900 bis 1938 ein Stück Kunstgeschichte geschrieben haben. Neben Stephanie Hollenstein waren es weibliche Künstlerinnen wie Elena Luksch-Makowsky, Helene Funke oder Erika Giovanna Klien, die mit ihren Arbeiten einen maßgeblichen Beitrag zur Wiener Moderne und deren künstlerische Strömung geleistet haben. Allen vertretenen Frauen, die mit ihrem Schaffen im Zeichen der Emanzipation für eine weibliche Kunst gewirkt haben, ist die Ausstellung „Stadt der Frauen“ gewidmet.

 

Künstlerisches Erbe

Stephanie Hollenstein wurde 1886 in Lustenau geboren, lebte über einen längeren Zeitraum in Wien und war in der NS-Zeit von 1939 bis 1943 Präsidentin der „Vereinigung Bildender Künstlerinnen Österreichs“. Hollensteins Biographie ist von Widersprüchen geprägt, ihr künstlerisches Talent nützte die Malerin, um ihre Vorstellung eines eigenständigen, modernen Lebens zu gestalten. Ihr Nachlass wird in der Galerie Hollenstein — Kunstraum und Sammlung in Lustenau verwahrt und besteht aus 94 Gemälden, 150 Aquarellen und Gouachen sowie 870 Zeichnungen, Skizzen und Studien. Diese Werke sind in einem öffentlich zugänglichen Depot untergebracht.

 

Entstehung der Galerie Hollenstein

Die Gründungsgeschichte der gemeindeeigenen Galerie Hollenstein geht auf die Schenkung des künstlerischen und schriftlichen Nachlasses sowie des Realvermögens zweier Schwestern Stephanie Hollensteins zurück. Anstelle des von Stephanie Hollenstein 1934 geplanten und gebauten Hauses, das auch ihr Atelier beinhaltete und den beiden Schwestern bis zu deren Tod Ende der 1960er Jahre als Wohnsitz diente, erbaute die Gemeinde 1971 in der Lustenauer Pontenstraße einen Gebäudekomplex, der unter anderem einen Ausstellungsraum sowie ein Depot für den bildnerischen Nachlass Hollensteins berücksichtigte.

 

Kunstraum und Sammlung heute

In den Ausstellungsräumlichkeiten der Galerie Hollenstein werden jährlich vier Positionen erarbeitet, die aus dem Ort heraus entwickelt und mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen interagierend konzipiert sind – dabei spielt auch immer wieder die Aufarbeitung und Aktualisierung des hier verwahrten Nachlasses der Malerin Stephanie Hollenstein eine Rolle. Primär werden jüngere künstlerische Entwicklungen im Kontext ihrer gesellschaftlichen Bedeutung gefördert, präsentiert und vermittelt – nicht ausschließlich, aber immer wieder mit regionalem Bezug. Dazu gehört auch ein verantwortungsvoller und kritischer Umgang mit der Geschichte des Kunstraums und der Sammlung in aktuellen und experimentellen Formaten.

 

Charakteristische Motive 

Die in der Ausstellung im Belvedere gezeigten Bilder von Stephanie Hollenstein zeigen eine repräsentative Auswahl ihres Schaffens und ihrer Themen: Landschaften und Gebirgszüge, Mensch und Tier bei der Verrichtung landwirtschaftlicher Arbeit und Porträts, die sich immer wieder als charakteristische Motive durch das gesamte künstlerische Werk Hollensteins ziehen.

 

Späte Wertschätzung

Die Ausstellung bezeichnet Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere als eine Retrospektive, die längst überfällig ist: „Das Belvedere ist berühmt für seine Sammlung aus der Zeit der Wiener Moderne. Umso mehr ist es mir ein großes Anliegen, die vergessene weibliche Seite dieser Epoche in ihrer ganzen Reichweite wieder sichtbar zu machen. Die Künstlerinnen jener Jahre waren und sind eine große Inspiration, und ihren Werken wurde völlig zu Unrecht fast ein Jahrhundert kaum Beachtung geschenkt." „Stadt der Frauen“ wurde von Sabine Fellner kuratiert und ist noch bis 19. Mai 2019 im Unteren Belvedere in Wien zu sehen.

 

Ausstellungsansichten von “Stadt der Frauen” im Belvedere

Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien