Zwischen den Lesungen führten Moderatorin Katy Bayer und Gemeindearchivar Wolfgang Scheffknecht mit der Autorin ein Gespräch über Leben und Werk der Malerin im historischen und politischen Kontext ihrer Zeit. Wolfgang Scheffknecht betonte, dass Großstädte damals Freiräume boten, in denen lesbische Frauen relativ unbehelligt leben konnten, während dies in ländlichen Regionen undenkbar gewesen wäre. Auch Hollensteins Rolle im ersten Weltkrieg wurde thematisiert: Die ersten Monate habe sie noch mit Elan bewältigt, bald machten sich aber aufgrund der Ereignisse Depressionen bemerkbar.
Eine besonders persönliche Note brachte Brigitte Herrmann mit einer Passage ein, in der Hollenstein ihr damaliges Elternhaus und Atelier am heutigen Standort der Bibliothek und des DOCK20 bezieht. Zum Abschluss mahnte Brigitte Herrmann: „Auch weltoffene, kunstaffine Menschen können anfällig für Propaganda sein. Es braucht Wachsamkeit – damals wie heute.“ Der Abend klang mit großem Applaus und einem Umtrunk aus.