News Stephanie Hollenstein: Zeichnungen 1915 bis 1917 4. Juni 2020

20200320_MIK_0773WEB

Sammlungsdepot
„Stephanie Hollenstein: Kriegszeichnungen 1915 bis 1917“
Neupräsentation von Zeichnungen aus der „Sammlung Stephanie Hollenstein“

Ab März 2020

Aktuelle Information: Die Sonderausstellung im Sammlungsdepot ist bis auf Weiteres nicht für Besucherinnen und Besucher geöffnet, da die erforderlichen Schutzmaßnahmen auf engem Raum nicht umgesetzt werden können. Wir bitten um Verständnis.

Zeitgleich mit dem biografischen Theaterstück „Hollenstein – ein Heimatbild“ von Thomas Arzt am Vorarlberger Landestheater wird ab Mitte März 2020 im Lustenauer Depot ein Ausschnitt aus der „Sammlung Stephanie Hollenstein“ präsentiert. Die Kriegsjahre 1915 bis 1917 waren prägend für Stephanie Hollensteins Biografie. Nicht nur stammt ein großer Teil des in Lustenau verwahrten Nachlasses aus diesem Zeitraum, für die Künstlerin selbst waren ihr Einsatz an der Front als Soldat sowie ihre Tätigkeit als Kriegsmalerin der Monarchie identitätsstiftend. Freundschaften, berufliche Netzwerke und nicht zuletzt eine bewusste nachträgliche Instrumentalisierung dieser Episode für ihre Biografie bestimmen bis heute das öffentliche Bild dieser Künstlerin.

Der in Lustenau verwahrte bildnerische Nachlass Hollensteins besteht insgesamt aus über 1.200 Inventarnummern, darunter Ölbilder, Aquarelle und Skizzenbücher. Der größte Schatz allerdings sind die in den Mappenschränken verwahrten Zeichnungen: Sie machen nicht nur einen Hauptbestandteil der Sammlung aus, sie liefern auch das wahrscheinlich kontinuierlichste, vollständigste und nicht zuletzt persönlichste Bild von Stephanie Hollensteins künstlerischer Entwicklung und ihrem Bild-Interesse. Immer wieder präsentieren wir thematisch zusammengefasst Ausschnitte aus diesem Bestand, kommentiert in unserem Depot. Zeitgleich mit der Laufzeit des Theaterstücks „Hollenstein – ein Heimatbild“, das am 6. März Premiere im Vorarlberger Landestheater hat und auf Recherchen im Lustenauer Depot sowie im Historischen Archiv fußt, holen wir die Zeichnungen Hollensteins aus den Kriegsjahren 1915 bis 1917 aus unseren Schränken und ermöglichen anhand dieser, ergänzt um historische Dokumente, Fotografien und Schriften, einen intensiven Blick auf diese für Hollenstein so wichtige Zeit.

Im Mai 1915 schnitt Stephanie Hollenstein sich die Haare kurz, streifte sich eine Sanitäts-Armbinde über den Arm und zog vom allgemeinen Patriotismus getragen gemeinsam mit den Lustenauer Standschützen als „Stephan Hollenstein“ an die exponierte Südfront der bröckelnden Monarchie. Drei Monate leistet sie Dienst als Sanitätssoldat und hält die Posse aufrecht – gedeckt von ihren Kameraden und bewundert von Freunden und Familie. Im Herbst 1915 erhält sie schließlich Nachricht, dass sie offiziell als „Kriegsmalerin“ in das k. u. k. Kriegspressequartier einberufen wird. Im Laufe des Jahres 1916 ist sie in dieser neuen Funktion noch zwei Mal an der Front und dient der riesigen und diffizil organisierten Propagandamaschine der Monarchie. Zahlreiche Zeichnungen von Soldaten, Verwundeten, von Kriegslandschaften sowie vom Alltag an der Front sind aus dieser Zeit erhalten und werden mit der aktuellen Präsentation im Depot kritisch auf ihr propagandistisches sowie künstlerisches Potenzial hin befragt. Ihr Einsatz in den Kriegsjahren des Ersten Weltkriegs waren prägend für Stephanie Hollensteins weitere Biografie: Ihr berufliches Netzwerk baute auf Freundschaften und Bekanntschaften aus dieser Zeit auf und sie selbst betonte ihren „patriotischen Einsatz fürs Vaterland“ nachträglich immer wieder. Diese Jahre werden zum wichtigen Baustein ihrer Biografie und des retrospektiven Blickes auf diese Künstlerin, an dem sie selbst maßgeblich beteiligt ist: „Schreib dir selbst den Lebenslauf“, notierte die Künstlerin sich auf einem ihrer vielen bis heute erhaltenen Notizzettel.