2020.04

Monika Grabuschnigg

Laufzeit: 14. November bis 10. Januar 2021
Eröffnung: Freitag, 13. November, 19 Uhr

Das Ausstellungsjahr beschließt eine Solo-Ausstellung von Monika Grabuschnigg. Die erste institutionelle Einzelausstellung in Österreich der in Vorarlberg geborenen Künstlerin kombiniert ältere Arbeiten mit neuen und erlaubt eine intensive Auseinandersetzung mit ihren beeindruckenden Skulpturen und Reliefs. Die absolut zeitgenössische Präsenz ihrer Werke speist sich vor allem aus dem Aufeinandertreffen eines traditionellen und eng mit der Idee von Handwerk verbundenen Werkmaterials auf die Ästhetik eines digitalen und virtuellen Raums. Grabuschnigg arbeitet mit Ton, der gegossen oder mit bloßen Händen, dem Spatel oder einfachem Werkzeug bearbeitet und in komplexen Brenn- und Glasurprozessen zu Keramik-Körpern verarbeitet wird.
Was Grabuschnigg an diesem alten, in den letzten Jahren nicht zuletzt aufgrund einer gewissen kunsthistorischen Unbelastetheit für Künstlerinnen und Künstler wieder interessant gewordenen Material begeistert: „Seine Direktheit, der ökologische Aspekt und die Herausforderung im Umgang“. Grabuschniggs teilweise riesige und mehrteilige Keramik-Objekte haben nichts mit Gebrauchskeramik gemein, sie funktionieren nur selten kleinteilig oder als Gefäße. Viel eher sind sie bildlich zu verstehen: Als Bildträger und durchaus malerisch aufgefasste Oberfläche zugleich. Für ihre Ausstellung in Lustenau installiert Grabuschnigg eine ursprünglich für die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden konzipierte Installation „In Delirium I Wear My Body“ im kleinen Ausstellungsraum neu: ein Dreiergespann frei hängender Keramikreliefs auf feinen Metallgittern montiert und in surreales Blau getaucht. Mit „Computing in between hollow clouds“, „Tantalum melt, sourcing for I“ und „Spellbound by uncertain algorithms“ (alle 2019) sind die drei Keramik-Draht-Körper betitelt und spielen sich damit nicht nur optisch zwischen alchemistischen, mathematischen und psychologischen Realitätskonstruktion ab. Wie abstrakte, verflüssigte und dann wieder geronnene Körper werden sie im technoiden Ambiente des fensterlosen Ausstellungsraums schweben, fleischige Rosa-Töne treffen auf kaltes Blau, fließen malerisch ineinander, fügen sich zu einem dreidimensionalen, dennoch die Fläche nicht verlassendem begehbaren Bild. Grabuschniggs Interesse gilt nicht nur in dieser Arbeit den Auswirkungen von Digitalität und Virtualität auf den physischen Körper und unsere Selbstwahrnehmung, formal höchst eigenständig thematisiert die Künstlerin zeitgenössische Formen von Nähe und Intimität, zugleich zutiefst persönlich und allgemein gültig und genau deshalb so berührend.

Zur Ausstellung sind ein Film zum Produktionsprozess sowie eine Publikation geplant.
Monika Grabuschnigg (geb. 1987 in Feldkirch) lebt und arbeitet in Berlin.