2022.03

Petrov_Viktor_Abb_02

Raster und Fraktal

Gruppenausstellung
Laufzeit: 30. September 2022 bis 14. Januar 2023, Eröffnung: 29. September, 19 Uhr

Die ausgestellten Positionen setzen sich mit der Abbildbarkeit gesellschaftlicher Ordnungssysteme und ihrer Ästhetik auseinander. „Der Andere ist jener, der mir erlaubt, mich nicht endlos zu wiederholen“, schrieb 1992 Jean Baudrillard (1929–2007) in Bezug auf den Begriff des „großen Anderen“ S (A) des Psychoanalytikers Jacques Lacan (1901–1981).

Gegenwärtig werden sowohl persönliche als auch große politische Entscheidungen sowie gesellschaftliche Prozesse als Konsequenzen der individuellen Entscheidungsfreiheit und dem selbstbestimmten Willen zugeschrieben. Doch wodurch konstituieren sich diese in unserer medial vermittelten und von Warenförmigkeit geprägten Realität? Derzeit sind Menschen so entfremdet von Arbeit, Wirtschaft und gesellschaftlicher Teilhabe wie nie zuvor. Unter dem Paradigma der vermeintlichen Gleichheit verschwinden jene Aspekte der Differenz, die für die Entstehung tatsächlicher Selbstbestimmung notwendig wären. Lediglich eine Verschleierung gesellschaftlicher Ordnungen, Regelsysteme und Infrastrukturen, wie sie in vorindustriellen Zeiten offen sichtbar in Form von Göttern und Königen das Zusammenleben bestimmten, findet statt. Tatsächlich progressive und demokratische Bewegungen werden gewaltvollen Repressionen ausgesetzt, während regressive Akteur:innen die öffentliche Wahrnehmung bestimmen. Die Arbeiten der Ausstellung von Michael Reindel, Viktor Petrov und anderen lüften die Schleier und machen die historischen, ökologischen und politischen Bedingungen erkennbar, die hinter dem vermeintlichen Zauber politischer Gleichförmigkeit und globalen Welthandels unsichtbar bleiben.

 

Nach oben