2026.2: Oliver Laric
Laufzeit: 30.5.–12.9.2026
Eröffnung: 29.5.2026, 19 Uhr
Die künstlerische Praxis von Oliver Laric bewegt sich seit den frühen 2000er Jahren an der Schnittstelle von Video, Skulptur, digitalen Medien und Archivarbeit. Im Zentrum steht dabei weniger die Vorstellung eines autonomen Werks als vielmehr die Frage, wie Bilder, Objekte und Informationen zirkulieren, transformiert und neu codiert werden.
Laric begann früh damit, Arbeiten online zu veröffentlichen und außerhalb institutioneller Kontexte sichtbar zu machen. Seine Videos wurden geteilt, weiterverarbeitet, kopiert und (unfreiwillig) in kommerzielle Zusammenhänge überführt. Diese Offenheit wurde zu einem zentralen Prinzip seiner Arbeit: Das Werk bleibt nicht abgeschlossen, sondern setzt sich in seiner Rezeption, Zirkulation und Reproduktion fort. Bilder werden in Larics Arbeiten als fluide Formen verstanden, die ihre Funktion, ihren Kontext und ihre politische Lesbarkeit fortwährend verändern. Diese Perspektive bestimmt auch Larics Beschäftigung mit Archiven. Besonders in digitalen Archiven wird die Frage virulent: Wer verfügt über Daten? Wer hat Zugriff? Und welche ökonomischen und politischen Interessen strukturieren ihre Verfügbarkeit? Vor diesem Hintergrund gewinnt auch Larics langjährige Beschäftigung mit Selbstarchivierung besondere Bedeutung.
Seit 2012 entwickelt er mit www.threedscans.com offene 3D-Archive, in denen Scans historischer Skulpturen und Artefakte frei zugänglich gemacht werden. Die digitalen Datensätze können heruntergeladen, reproduziert und weiterverarbeitet werden. Damit verschiebt Laric die Idee des Archivs von der konservierenden Sammlung hin zu einem produktiven, kollaborativen Werkzeug. Archive dienen nicht allein der Bewahrung, sondern werden selbst zu Ausgangspunkten neuer künstlerischer Produktion.
Die Ausstellung im DOCK 20 knüpft an diese Fragestellungen an und fokussiert Larics Arbeit mit Video, Medienbildern und Archivmaterialien. Gezeigt werden vier Videoarbeiten und vier Posterarbeiten, die sich allesamt mit Archiven und Formen kollektiver Bildproduktion beschäftigen.
Für eine neue Videoarbeit sammelt Laric Daumenkino-Sequenzen, die marginal an den Rändern in internationalen (Lehr-)Büchern, Zeitschriften und Romanen platziert sind. Er animiert die kleinen, oft humorvollen Randnotizen als Protagonistinnen zu einem Stop-Motion-Video. Durch das Sammeln, Ordnen und die Neumontage des Materials entstehen visuelle Erzählungen, die zwischen persönlicher Recherche, kollektiver Erinnerung und medialer Geschichte oszillieren.
Ein weiterer Fokus liegt dabei auf Clip-Art-Grafiken der 1990er und frühen 2000er Jahre – Bildmaterial, das ursprünglich für digitale Kommunikation, Präsentationen oder Desktop-Publishing entwickelt wurde und wie ein visuelles Archiv früher Internetkultur erscheint. Indem Laric diese Motive erneut aufgreift, untersucht er, wie sich ihre Ästhetik und Bedeutung über die Zeit verändert haben. Die Arbeiten bewegen sich zwischen nostalgischer Rückschau und gegenwärtiger Relektüre. Sie fragen, ob diese Bildwelten heute als historische Dokumente erscheinen oder weiterhin zeitgenössisch lesbar sind.
Die Posterarbeiten nehmen innerhalb der Ausstellung eine besondere Rolle ein. Sie fungieren als verdichtete Bildarchive, in denen verschiedene Materialien, Referenzen und Themen zusammengeführt werden. Zugleich stehen sie für Larics Interesse an Formen der Verbreitung und Zugänglichkeit. Während Skulpturen und Installationen häufig an institutionelle und ökonomische Bedingungen gebunden sind, versteht Laric das Poster als ein offenes, reproduzierbares Medium mit niedrigschwelliger Verfügbarkeit. Es ist für ihn nicht bloß ein Begleitmaterial, sondern ein eigenständiger Träger von Wissen, Erinnerung und Bildpolitik, der sich selbst distribuiert, da die Besucher:innen die Poster mitnehmen können.
Larics Arbeiten machen diese Bedingungen sichtbar, ohne sie eindeutig zu bewerten. Stattdessen eröffnen sie einen Raum, in dem sich Bilder, Daten und Geschichten in immer neuen Konstellationen begegnen.
Biografie
Oliver Laric ist Künstler und Mitbegründer des Kunstblogs vvork.com (2006–2012) sowie Gründer der Datenbank für urheberrechtsfreie 3D-Modelle threedscans.com (seit 2012). Seine Arbeiten wurden international gezeigt, u. a. in der Secession Wien, im Schinkel Pavillon Berlin, SCAD Museum of Art Savannah, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck sowie im Kunsthistorischen Museum Wien, bei der São Paulo Biennale, im Centre Pompidou Paris und im New Museum New York.
Rahmenprogramm zur Ausstellung
29.05.2026, 19 Uhr: Vernissage
Wir eröffnen die Ausstellung mit einem Künstlergespräch und laden zu Drinks an unserer Hausbar ein. Eintritt frei.
18.06.2026 und 20.08.2026 jeweils 15 Uhr: Führung durch die Sammlung Hollenstein
Wir öffnen unser Schaudepot und Gabriele Bösch gibt Einblicke in die Sammlung und das Werk der Lustenauer Künstlerin Stephanie Hollenstein. Dauer: ca. 60 Minuten, Eintritt frei.
Kinderprogramm im Rahmen von „school is out“: Bücher werden zu Kunstwerken
2-tägiger Workshop mit Christa Bohle für Kinder von 8–12 Jahren
1. Termin: Mittwoch, 22.07.2026 und Donnerstag, 23.07.2026, jeweils von 9–12 Uhr
2. Termin: Mittwoch, 29.07.2026 und Donnerstag, 30.07.2026, jeweils von 9–12 Uhr
Nach einem spielerischen Rundgang durch die Bibliothek und das DOCK 20, wo die Kinder aktuelle Werke von Oliver Laric entdecken können, werden sie selbst aktiv. Sie nehmen Bücher als Grundlage für ihre Arbeit, gestalten diese um und verwenden sie anschließend als Sockel für ihre persönlichen kleinen Kunstwerke. Eine Fülle an Materialien steht dazu bereit und Kulturvermittlerin Christa Bohle unterstützt zusätzlich bei der Umsetzung. Die Workshops sind kostenlos. Mitzubringen sind nur Kleider, die schmutzig werden dürfen. Wir bitten um Anmeldung bis 1. Juli 2026 unter christa@bohle.co.at
19.08.2026, 18 Uhr: Führung durch die aktuelle Ausstellung
Kuratorin Anne Zühlke führt durch die Ausstellung von Oliver Laric, gibt Einblicke in seine künstlerische Praxis und ordnet sein Werk in die Kunst der Gegenwart ein. Dauer: 45 Minuten, Eintritt frei.
Tipp: Führungen für Gruppen ab acht Personen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Terminvereinbarung unter: dock20@lustenau.at