2021.02

ippst, ippt (siehe ipst, ipt) - Melanie Ender & Sebastian Koch

Laufzeit: 08. Mai bis 04. Juli 2021, Eröffnung 07. Mai

Melanie Enders und Sebastian Kochs Arbeit verbindet vor allem der Zugang zum Material:
Beide teilen ein Interesse an der Gegenüberstellung verschiedener Stofflichkeiten, und beide entwickeln ihre Formen-Sprache aus der Geschichte der Materialien im Kontext ihrer Verwendung. Trotz dieser augenscheinlichen Gemeinsamkeiten sind es auch die unterschiedlichen Herangehensweisen an ihre Arbeit, die in der Ausstellung herausgearbeitet werden:

Melanie Enders Arbeit zeichnet sich dabei durch eine besondere Konsequenz, Ernsthaftigkeit und Sensibilität im Umgang mit ihren Materialien aus. Zentrales Thema ist die Frage nach demjenigen Moment, in dem das Material zum Bild wird. Ihre Arbeit mit Gipskartonplatten ist dafür beispielhaft: Die Platten werden mit einem feuchten Schwamm abgerieben, Papierschichten dadurch schichtweise abgetragen, bis der Gipskern freigelegt ist und sich so die ursprüngliche Erscheinung dieses Materials völlig verändert. Spuren des manuellen Prozesses – Kratzspuren, Abschabungen und Papierreste – bleiben im Gips sichtbar und definieren die Oberfläche der so langsam aus ihrer Ummantelung geschälten skulpturalen Objekte. In der Kombination mit fein gebogenen Messing-Arbeiten, Papier oder gefalteten Textilien werden sie in unterschiedlichen Konstellationen zu Bildträgern, Sockeln oder selbst zum Bild: „Es gibt für mich keine hierarchische Ordnung der einzelnen skulpturalen Elemente, es bleibt das gleiche Material, egal ob zur Bildfläche 'erhoben' oder als Bodenplatte oder Sockel für Objekte dienend.“ (Ender)

Sebastian Kochs Umgang mit Material und Form ist ein spielerischer. Sein Interesse gilt vor allem der Linie, die sich innerhalb eines zuvor definierten Rahmens entwickelt: Auf Leinwand oder Papier bewegt sie sich in sanften Rundungen und Kurven, schrammt knapp an den Rändern vorbei, durchschneidet in wie mit dem Lineal gezogenen Geraden die Bildfläche, verdoppelt oder verdickt sich oder kreuzt sich an manchen Stellen selbst, wobei die dadurch entstehende Fläche mit Farbe gefüllt wird. Realisiert in Messing oder Holz ist dieser fast illustrative, aus der Arbeit im Zweidimensionalen geprägte Zugang immer noch stark spürbar. In seinen feinen Zeichnungen auf dickem Papier aus dem Büromaterialien-Bedarf nimmt der Rahmen aus Holz und Glas die Biegung der gezeichneten Linie auf und wird sein Interesse an Formen des Alltags- oder Möbeldesign sichtbar. Während seine großformatigen Leinwände eher rasch entstehen und so einen fast skizzenhaften Charakter haben, funktionieren seine Zeichnungen, verpackt in fein gearbeitete Objektrahmen wie kleine antiquarische Kostbarkeiten.


Melanie Ender, *1984 in Wien, studierte von 2006 bis 2013 an der Akademie der bildenden Künste und an der Universität für angewandte Kunst in Wien, wo sie 2013 ihr Diplom mit Auszeichnung erhielt. Sie arbeitet insbesondere mit Installation und Text und ihre Arbeiten wurden in Museen wie dem Belvedere21 und dem MAK Wien gezeigt. Sie hat an Residency-Programmen in Istanbul, Turin und Rom teilgenommen.

Sebastian Koch, *1986 in Lustenau, studierte von 2007 bis 2012 an der Akademie der Bildenden Künste Wien bei Prof. Gunter Damisch in der Klasse für Graphik und Druckgraphische Techniken. Co-Gründer und Herausgeber des Comic-Magazins „Franz The Lonely Austrionaut“ und Mitglied der Band Rambo Rambo Rambo. 2009 Studienreise nach Paris, Austauschprojekt für Lithographie mit der Ecole nationale supérieure des beaux-arts, 2010 Residency der Open Source Gallery in New York mit Severin Hagen, 2011 Erster Preis des Wettbewerbs Künstler am Werk der Lenzing AG, 2019 Kulturpreis des Landes Vorarlberg; Einzel- und Gruppenausstellungen u.a. : Galerie Krobath (AT), Bjørn & Gundorf (DK), Geukens De Ville (Be), Kunsthalle Wien (AT), Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis (AT)