März: Jen DeNike

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"Wrestling" (2003), Single channel video, 3:11 min

"Wrestling" (2003) is one of the best-known works by American photographer, video and performance artist Jen DeNike. In the video, two teenagers engage in the age-old pastime of their childhood: wrestling in the garden. DeNike resists the all-too-easy stance of winking at the homoeroticism of adolescent masculinity and instead focuses on the joy and intensity of these play fights.


(für die deutsche Übersetzung des Interviews nach unten scrollen)

 

DOCK 20: In your work "Wrestling" we observe a scuffle between two young men, I immediately had the association that they are brothers, although there are no external signs of this. Where do you think this impression comes from?

Jen DeNike: The boys exist in that realm of teenage assimilation, their collective desire to be each other elicits a brother like twinning, a social construct of mirroring between best friends, the other merges with the self. The etymology of the word familiar in latin familairis, waxes into a sense of the familia or potential idea of family.

D20: The playful struggle of the two boys in Wrestling constantly oscillates between violence and intimacy. How did you choreograph these two actors? How did you create this mood?

JD: I directed the boys to wrestle through a strategy of one – minute takes with no allowance for rests. Through employed rigorous repetition, they begin to lose awareness of the camera, initiating a willful yet unconscious role playing. Tectonic urges of competitive dominance and power dynamics undulate and collide with mounting sexual tension, inherent intimacy, and the physicality of their bodily contact. It is here in that liminal space where the choreography is inevitably led by their surrender to the act itself.

D20: In your work, the physical presence of the people you portray is often the focus. What fascinates you so much about the human body?

JD: Much of my moving image and performance work investigates the gendered politics of the body through the lens of contemporary feminist temporalities. A phenomenological approach foreground and anchor my practice through an examination of the corporeality of the filmic body and how it moves through space translating its anachronistic durational continuity to the virtual memory of the body through cinematic time. My early video works from (2003 – 2010) and a more recent work called Sculpting Time (2021) don’t recapitulate representations of the body, but instead create a construction of new bodies through the kinesthetic capacities and articulation of cinematic enunciation.

D20: What also strikes me is that the wrestling of the two gets something almost dance-like through their movements, but also through the loop of the recording, as if the two follow a certain rhythm. How do you use these dance-like components in your work?

JD: The linguistic materiality of movement as a form of choreography is always present in my work, I often work with ballet dancers, but also intrinsically transcribe non-dance enactments as in ‘Wrestling’ into a form of corporeal sedimentation, where experience is tangential to how the choreography is shaped, including a compositional series of repetitions that move through and with the performers.

Jen DeNike, born in 1971, lives and works in New York. Jen DeNike’s work harmonizes video, photography, sculpture and performance. A former student of Stephen Shore, DeNike’s photography and choreography seek to explore elements of ritual and the occult in her physical surroundings.

Most of DeNike’s video work and photography feature the human figure engaged in physical action with their environment – nude women treading mysterious waterscapes, two teenage boys grunting and sweating as they wrestle on a grassy field, others are skipping stones on the surface of ponds and streams.


The choreography of her performances presents a mysterious phenomena of forms, sites and artifacts that explore elements of the paranormal within gender and sexuality. Operating in the gray area between created and captured, DeNike’s eloquent formal language as a photographer and choreographer weaves her construction of narrative into a delicate personal experience.

"Wrestling" (2003) ist eines der bekanntesten Werke der amerikanischen Fotografin, Video- und Performancekünstlerin Jen DeNike. In dem Video gehen zwei Teenager dem uralten Zeitvertreib ihrer Kindheit nach: Ringen im Garten. DeNike widersteht der allzu einfachen Haltung, augenzwinkernd die Homoerotik adoleszenter Männlichkeit  zu betrachten, und konzentriert sich stattdessen auf die Freude und Intensität der spielerischen Kämpfe.

 

DOCK 20: In deinem Werk "Wrestling" sehen wir eine Rauferei zwischen zwei jungen Männern, ich hatte sofort die Assoziation, dass es sich um Brüder handelt, obwohl es dafür keine äußeren Anzeichen gibt. Woher kommt deiner Meinung nach dieser Eindruck?

Jen DeNike: Die Jungen leben in einer Welt adoleszenter Assimilation, ihr kollektiver Wunsch, der andere zu sein, ruft eine brüderliche Partnerschaft hervor, ein soziales Konstrukt der Spiegelung zwischen besten Freunden, bei dem der andere mit dem eigenen Ich verschmilzt. Die Etymologie des Wortes familiar aus dem Lateinischen familairis entwickelt sich zu einem Sinn von familia oder einer möglichen Vorstellung von Familie.

D20: Der spielerische Kampf der beiden Jungen in Wrestling schwankt ständig zwischen Gewalt und Intimität. Wie hast du diese beiden Schauspieler choreographiert? Wie haben sie diese Stimmung erzeugt?

JD: Ich lasse die Jungen "ringen" und wende dabei eine Strategie mit einminütigen Aufnahmen an, die keine Pausen enthalten. Durch die rigorosen Wiederholungen verlieren sie das Bewusstsein für die Kamera und beginnen ein willentliches, aber unbewusstes Rollenspiel. Die tektonischen Triebe von Dominanz- und Machtkämpfen schwingen und kollidieren mit der zunehmenden sexuellen Spannung, der innewohnenden Intimität und der Körperlichkeit ihres physischen Kontakts. In dieser Grenzzone wird die Choreografie unweigerlich durch die Hingabe an den Akt selbst bestimmt.

D20: In deiner Arbeit steht oft die physische Präsenz der von dir porträtierten Menschen im Mittelpunkt. Was fasziniert dich so sehr am menschlichen Körper?

JD: Ein Großteil meiner Bewegtbild- und Performance-Arbeiten erforscht die geschlechtsspezifische Politik des Körpers durch die Linse der zeitgenössischen feministischen Zeitlichkeit. Ein phänomenologischer Ansatz stellt meine Praxis in den Vordergrund und verankert sie durch eine Untersuchung der Körperlichkeit des filmischen Körpers und seiner Bewegung durch den Raum, indem er seine anachronistische zeitliche Kontinuität in die virtuelle Erinnerung des Körpers durch die filmische Zeit übersetzt. Meine frühen Videoarbeiten (2003 – 2010) und eine neuere Arbeit namens Sculpting Time (2021) rekapitulieren keine Repräsentationen des Körpers, sondern schaffen stattdessen eine Konstruktion neuer Körper durch die kinästhetischen Möglichkeiten und die Artikulation des filmischen Ausdrucks.

D20: Was mir auch auffällt, ist, dass das Ringen der beiden durch ihre Bewegungen, aber auch durch die Schleife der Aufnahme etwas fast Tänzerisches bekommt, als ob die beiden einem bestimmten Rhythmus folgen. Wie nutzt du diese tänzerischen Komponenten in deiner Arbeit?

JD: Die sprachliche Materialität der Bewegung als eine Form der Choreografie ist in meiner Arbeit immer präsent. Ich arbeite oft mit Balletttänzern, aber ich transkribiere auch Nicht-Tanz-Performances, wie in "Wrestling", in eine Form der körperlichen Sedimentation, in der die Erfahrung die Art und Weise tangiert, wie die Choreografie geformt wird, einschließlich einer kompositorischen Reihe von Wiederholungen, die sich durch und mit den Darstellern bewegen.

Jen DeNike, geboren 1971, lebt und arbeitet in New York. In Jen DeNikes Werk sind Video, Fotografie, Skulptur und Performance miteinander verbunden.

In ihrer Fotografie und Choreografie erforscht sie Elemente des Rituellen und Okkulten in ihrer physischen Umgebung. Die meisten von DeNikes Videoarbeiten und Fotografien zeigen die menschliche Figur in körperlicher Aktion mit ihrer Umgebung – nackte Frauen, die mysteriöse Wasserlandschaften durchschreiten, zwei Teenager-Jungs, die grunzend und schwitzend auf einer Wiese ringen, andere, die Steine auf der Oberfläche von Teichen und Bächen springen lassen.

Die Choreografie ihrer Performances präsentiert ein mysteriöses Phänomen von Formen, Orten und Artefakten, die Elemente des Paranormalen in Geschlecht und Sexualität erforschen. DeNikes eloquente Formensprache als Fotografin und Choreografin bewegt sich in der Grauzone zwischen Erschaffenem und Festgehaltenem und verwebt ihre Konstruktion der Erzählung mit persönlichen Erfahrungen.

 

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